Taxonomie


Kapitel

Definition

Artbegriff

Rassebegriff



Definition

Die Taxonomie wird in der Biologie verwendet um Lebewesen zu bestimmten und einzuordnen. Die Wissenschaft, die sich damit beschäftigt, ist die Systematik.

Ein Taxon (= Sortierungskategorie) ist eine Gruppe von Individuen, die sich durch das konstante Auftreten spezifischer Merkmale von anderen Individuen unterscheiden. Geschlechter werden als ein Taxon gezählt (Netwig et al. 2012).

Begründet wurde die binäre Taxonomie vom schwedischen Botaniker Linné, das Grundlagenwerk bildet die "Systema naturae von 1758. Die wissenschaftlichen Taxa sind in einem hierarchischen System geordnet.

Der Name eines Tieres gliedert sich in:

  • den Gattungsname, immer groß geschrieben
  • den Artname, immer klein geschrieben
  • gegebenenfalls die Bezeichnung der Unterart, ebenfalls klein geschrieben

Beispiel europäisches Wildkaninchen: Oryctolagus cuniculus (Linnaeus 1758); Gattung: Oryctolagus; Art: cuniculus



Artbegriff

Eine zentrale Stellung in der Taxonomie nimmt die Art (Spezies) ein (Netwig et al. 2012). Die Definition des Artbegriffes ist allerdings schwierig. Es gibt verschiedene Konzepte, mit denen versucht wird, den Begriff klar zu definieren.


Morphologische/typologische Artdefinition

Alle Individuen, die in ihren wesentlichen Merkmalen untereinander und mit ihren Nachkommen übereinstimmen, gehören zu einer Art. Es können neben morphologischen Merkmalen auch Faktoren wie zum Beispiel Verhaltensweisen in analoger Weise verwendet werden.

Die Problematik hier ist, dass die Natur nicht starr ist. Sie verändert sich und mit ihr die Tiere. Zudem ist eine Einteilung anhand morphologischer Merkmale subjektiv. Einige Tierarten unterscheiden stark zwischen verschiedenen Entwicklungsstadien oder weisen einen starken Geschlechtsdimorphismus auf. Auch Umweltbedingungen können einen erheblichen Einfluss haben. Hingegen sind sich einige Arten morphologisch sehr ähnlich.


Biologische Artdefinition

Arten sind Gruppen sich miteinander kreuzender natürlicher Populationen, die hinsichtlich ihrer Fortpflanzung von anderen derartigen Gruppen isoliert sind (Fortpflanzungsgemeinschaften). Hierbei stellt sich das Problem, dass mehr als 50 % aller Organismen sich asexuell bzw. parthenogenetisch (=Jungfernzeugung) fortpflanzen. Zudem stellt sich die Frage, wie der Artbegriff bei geographisch deutlich getrennte Populationen angewendet werden soll.


Phylogenetische Artdefinition: Arten sind terminale Gruppen einer evolutionären Linie, die sich von einem gemeinsamen Vorfahren ableiten und durch eindeutig definierte, diagnostizierte, für die Beurteilung der Verwandtschaft relevante Merkmale unterscheiden lassen. Die Schwierigkeit hierbei ist, dass monophyletische Abstammungsgemeinschaft nicht unbedingt erkennbar sind und die Evolution vieler Taxa vernetzt und nicht linear verläuft.

Abbildung 1: Nachkommen von Tiger und Löwen sind Tigon (männlicher Tigers x Löwin; u.l.) und Liger (männlicher Löwen x weiblicher Tiger; u.r.). Die männlichen Liger sind unfruchtbar. Es handelt sich um Hybride, nicht um eine Tierart.
Urheber: GavinBell; Creative Commons-Lizenz; Orginaldatei (Stand 06.2013) Urheber: Joachim S. Müller; Commons-Lizenz; Orginaldatei (Stand 06.2013)
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Rassebegriff

Eine Rasse bezeichnet beliebige Zusammenfassungen von nach subjektivem Ermessen gruppierten Lebewesen einer Art. Die fachlich korrekte Verwendung beschränkt sich auf die Klassifikation von Zuchtformen.

Urheber: ErikBugel; Creative Commons-Lizenz; Orginaldatei (Stand 06.2013) Urheber: dasboe; Creative Commons-Lizenz; Orginaldatei (Stand 06.2013)
Urheber: baerchen57; Creative Commons-Lizenz; Orginaldatei (Stand 06.2013) Urheber: gott.maurer; Creative Commons-Lizenz; Orginaldatei (Stand 06.2013)

Eine Haustierrasse ist eine Population eines Haustiers, die sich in Merkmalen wie dem Körperbau, den Eigenschaften als Nutztier und dem Verhalten von anderen Populationen abgrenzen lässt (Mayr 1994). Eine Rasse ist also eine mehr oder weniger abgeschlossene Population, die (fast) nur untereinander verpaart wird (Reinzucht) und sich in mehreren Merkmalen von anderen Populationen unterscheidet.

Man teilt Rassen ein in:

  • Landrassen, Primitivrassen, Naturrassen oder geografische Rassen sind hauptsächlich durch natürliche Selektion entstanden
  • Übergangsrassen oder „veredelte Landrassen“ sind aus Landrassen hervorgegangen und etwas stärker züchterisch beeinflusst
  • Kulturrassen oder Zuchtrassen sind durch Zucht entstandene Haustierrassen, die aufgrund wirtschaftlicher Bedürfnisse oder Liebhabereien gezüchtet wurden und durch künstliche Selektion ständig auf ihren Verwendungszweck hin optimiert werden




Literatur

Mayr B. (1994): Rassenentwicklung, Nutzungszüchtung und Erhaltung der genetischen Vielfalt. In: Horst Kräußlich (Hrsg.): Tierzüchtungslehre. 4. Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart 1994, ISBN 3-8001-4371-2, S. 56–66

Nentwig W., Bacher S., Brandl R. (2012): Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Arten, Ökologie kompakt, Bachelor 2012, pp 97-172