Vitamine


Kapitel

Allgemeines

Vitamine sind organische Verbindungen, die in kleinen Konzentrationen unerlässlich für das Funktionieren des Stoffwechsels sind (Ebermann & Elmadfa 2008).

Vitamine werden für verschiedene lebenswichtige Funktionen benötigt. Zum Großteil können sie nicht selbst synthetisiert werden, sondern müssen mit der Nahrung aufgenommen werden. Einige Vitamine werden dem Körper als Vorstufen (Provitamine) zugeführt, die der Körper in ihre Wirkform umwandelt. Unterteilt werden Vitamine in fettlösliche (lipophile) und wasserlösliche (hydrophile) Vitamine.


Tabelle 1: Unterteilung der Vitamine in fett- und wasserlösliche Vitamine

Fettlösliche Vitamine Wasserlösliche Vitamine
  • Vitamin A
  • Vitamin D
  • Vitamin E
  • Vitmain K
  • Vitamin C
  • Vitamin B1
  • Vitamin B2
  • Niacin (Vitamin B3)
  • Pantothensäure (Vitamin B5)
  • Vitamin B6
  • Biotin (Vitamin B7, Vitamin H)
  • Vitamin B9
  • Vitamin B12


Auch wird versucht Vitamine nach ihrer physiologischen Funktion zu gliedern: Vitamine, die hormonartige Wirkung haben (Vitamin A und D), Vitamine, die der Organismus als Coenzyme für den Betrieb seines Stoffwechsels benötigt (hierher gehören vor allem die meisten Mitglieder der B-Gruppe und Vitamin K), und Vitamine, die dem Organismus vorwiegend als Schutz vor oxidativer Schädigung zur Verfügung gestellt werden müssen (Vitamin E, C, etc.). Schwierigkeiten, wie bei den meisten Einteilungen, bestehen darin, dass ein Vitamin oft mehrere Funktionen aus verschiedenen Bereichen besitzt (Ebermann & Elmadfa 2008).



Aufgabe und Funktion im Überblick

Die Aufgaben von Vitaminen sind zum Beispiel Verwertung von Kohlenhydraten, Eiweißen und Mineralstoffen. Sie sorgen für deren Abbau beziehungsweise den Umbau und dienen somit auch der Energiegewinnung. Auch für den Aufbau von Zellen und für das Immunsystem sind sie unverzichtbar.


Tabelle 2: Funktion der Vitamine

Trivialname Chemischer Name Aufgabe/Wirkung
Vitamin A Retinol
  • Aufbau, Schutz und Regeneration von Haut und Schleimhäuten
  • Stärkung des Immunsystems
  • Stoffwechsel von Kohlenhydratehn, Proteinen und Fetten
Vitamin B1 Thiamin
  • Steuerfunktionen, um Kohlenhydrate, Fette und Alkohol in Energie umzuwandeln
  • qichtig für Funktion von Nervengewebe und den Herzmuskel
Vitamin B2 Riboflavin
  • unterstützt die Umwandlung von Proteinen, Fetten und Kohlehydraten in Energie
  • wichtig fürs Sehvermögen
Vitamin B3 Niacin
  • Kohlenhydrat-, Fett- und Proteinstoffwechsel
  • Funktion der Haut
Vitamin B4 Cholin
  • Fettstoffwechsel
  • Immunsystemstärkend
Vitamin B5 Pantothensäure
  • Kohlenhydrat-, Fett- und Proteinstoffwechsel
  • wirkt auf Haut und Schleimhäute
  • Immunsystem
Vitamin B6 Pyridoxin, Pyridoxal und Pyridoxamin
  • Vielzahl von Stoffwechselreaktionen
  • Auf- und Abbau von Aminosäuren
  • Nervensystem
  • Immunabwehr
  • Bildung von Hämoglobin
Vitamin B12 Cobalamin
  • Bildung von roten Blutkörperchen und anderen Körperzellen
  • wesentlicher Bestandteil der Nucleinsäure (DNS) des Zellkerns und des Myelins, der weißen Hülle um die Nervenfasern
  • Eisenverwertung
  • Produktion von Acetylcholin, ein wichtigen Nerven-Botenstoff
Vitamin C Ascorbinsäure
  • Produktion von Kollagen
  • unterstützt die Aufnahme von Eisen
  • Entgiftungsreaktionen in der Leber
  • Antioxidant
  • Immunsystem
Vitamin D Calciferol
  • Einlagerung von Calcium und Phosphat in die Knochen
  • Reguliert Calciumhaushalt und den Phosphatstoffwechsel
Vitamin E Tocopherol
  • Schutzsystem vor aggressiven Verbindungen (Radikale)
  • Rolle im Stoffwechsel
Vitamin K Phyllochinon und Menachinon
  • Bildung von verschiedenen Blutgerinnungsfaktoren in der Leber
  • Bildung von Eiweiß
Vitamin H Biotin
  • Stoffwechsel
  • Fellwachstum



Vitamine im Einzelnen

Vitamin A und Provitamin A

Vitamin A bezeichnet eine Reihe verwandter Substanzen (β-Ionone). Hierzu zählen beispielsweise Retinal, Retinol, Retinsäuren und Retinylpalmitat. Sie können durch enzymatisch katalysierte Reaktionen ineinander übergeführt werden, mit der einzigen Ausnahme, dass Retinsäuren nicht mehr recycliert werden können. Chemisch handelt es sich um Retinoide.

Vitamin A wird entweder direkt aus der Nahrung aufgenommen oder aus Carotinen gebildet. Die wichtigste Vorstufe von Vitamin A ist β-Carotin, weshalb es auch als Provitamin A bezeichnet wird. β-Carotin kommt vorwiegend in grünen Pflanzen und deren Früchten vor. Besonders hohe Mengen enthalten beispielsweise frisches Gras und Karotten. Es ist empfindlich gegenüber Sonnenlicht und Hitze, weshalb der Gehalt in überständigem Gras abnimmt. Trocknung, Verarbeitung und Lagerung führen in Heu und Silage zu einem Verlust von 70 - 90 %. Das β-Carotin wird im Dünndarm aufgenommen und kann anschließend in den Dünndarmzellen, außer bei Katzen, zu Vitamin A gespalten werden. Es kann jedoch auch unverändert ins Blut aufgenommen werden. Es kann in der Leber gespeichert werden. Vermutlich wirkt β-Carotin auch als Antioxidant und wirkt auf die Fortpflanzung. Ist ausreichend Vitamin A vorhanden, wird Provitamin A nicht weiter umgewandelt, weshalb eine Überdosierung von β-Carotin unproblematisch ist (Senger 2004).

Vitamin A kommt in Futtermitteln tierischer Herkunft vor. Besonders Leber, Eigelb und Milch enthalten viel Vitamin A. Nach der fettabhängigen Absorption im Darm wird Retinol an langkettige Fettsäuren gebunden und zur Leber transportiert. Dort kann es gespeichert werden. Vitamin A spielt eine Rolle für den Sehvorgang, die Differenzierung und Integrität von Epithelien, für das Immunsystem und die Reproduktion. Es ist Vitamin A sehr empfindlich gegenüber Luftsauerstoff, Licht und Hitze (Senger 2004).

Angaben von Vitamin A erfolgen in Internationalen Einheiten (IE), wobei 1 IE Vitamin A 0,3 μg Retinol entspricht oder im Retinoläquivalentes (RE). 1 RE entspricht 1 μg Retinol und somit 3,33 IE (Senger 2004).

Durch die Speicherung in der Leber kommt es erst nach längerem zu Mangelerscheinungen. Diese können beispielsweise durch einen zu niedrigen Gehalt im Futter durch Verarbeitung und Lagerung bedingt sein. Auch chronische Erkrankungen des Darms, des Pankreas und der Leber können zu einem Defizit an Vitamin A führen. Da Vitamin A kaum plazentagängig ist sind Jungtiere mangels Speicher besonders gefährdet. Allgemeines Symptome sind Wachstumsstörungen, Inappetenzen, Xerophthalmien, Nachtblindheit, Skelettschäden und daraus resultierende neurologische Symptome. Zudem kann ein Mangel zu einem reduziertes Lern- und Erinnerungsvermögen führen. Schleimhäute werden durch ein verhornendes Plattenepithel ersetzt, wobei die Darmschleimhaut sich nur gering verändert. Ein Mangel hat aufgrund der vielfältigen Angriffspunkte des Vitamin A zahlreiche verschiedene Auswirkungen auf den Organismus (Senger 2004).

Überdosierung führen zu Vergiftungen. Die Angaben in der Literatur über die unbedenklichen Grenzwerte schwanken erheblich und liegen beim Tier im Erhaltungsstoffwechsel zwischen dem 4- bis 100-fachen des Bedarfs (Senger 2004).


Vitamin D

Vitamin D kommt in der Natur in zwei Formen vor:

  • Ergocalciferol, auch Vitamin D2, welches in Pflanzen und Mikroorganismen gebildet wird (Senger 2004)
  • das im tierischen Organismus auftretende Cholecalciferol, Vitamin D3. Letzteres kann in der Haut verschiedener Tiere mit Hilfe von ultravioletter Strahlung aus Cholesterol gebildet werden und kommt in calcinogenen Pflanzen wie einige Arten aus den Familien der Nachtschattengewächsen, Schmetterlingsblütlern, Kürbisgewächsen und Süßgräsern vor (Greissinger 2004)


Vitamin D wird über den Dünndarm aufgenommen, an ein Protein gebunden und zur Leber transportiert. Dort wird es umgewandelt. Eine Zwischenstufe hat vermutlich eine Funktion im Knochenstoffwechsel, das Endprodukt Calcitriol reguliert den Calzium- und Phosphathaushalt (Senger 2004). Nach Greissinger (2004) spielt Vitamin D zudem eine Rolle beim Schutz vor Autoimmunerkrankungen, da es eine immunregulierende Funktion besitzt und beim Schutz vor Entartung von Zellen (Krebs).

Vitamin D findet man beispielsweise in Vollmilch und Leberölen als Vitamin D3, in calcinogenen Pflanzen oder in sonnengetrockneten Pflanzen als Vitamin D2. Calcinogene Pflanzen wie Wiesen-Goldhafer enthalten Calcitriol (1,25(OH)2D3), eine physiologisch aktive Form des Prohormons Vitamin D3.


Tabelle 3: Vorkommen von 1,25(OH)2D3 in verschiedenen calcinogenen Pflanzen nach Geissinger (2004)

Pflanzenart Familie Konzentration in [IE/kg]
Solanum glaucophyllum Nachtschattengewächse (Solanaceae) 82.800
Cestrum diurnum Nachtschattengewächse (Solanaceae) 62.200
Nierembergia veitchii Nachtschattengewächse (Solanaceae) 16.400
Wiesen-Goldhafer (Trisetum flavescens) Süßgräser (Poaceae) 12.000


Neben 1,25(OH)2D3 findet man in einigen Arten auch Vitamin D3. Die Konzentrationen in der Pflanzen können variieren, wobei Faktoren wie Standort, Wuchsalter und Klima eine Rolle spielen. So wurde in Wiesen-Goldhafer in Schossen durchschnittlich 15.000 - 27.000 IE/kg TS mit Vitamin D-ähnlicher Aktivität gemessen, im Blütenstadium nur noch 2.300 IE/kg TS. Die Konzentration nimmt also mit zunehmendem Alter ab. Einige Zuchtsorten weisen wesentlich niedrigere Werte auf.

Durch die Trocknung verlieren Pflanzen ihren UV-Schutz aus Carotinoiden wodurch aus dem Provitamin Ergostol mehr Vitamin D2 entstehen kann (Greissinger 2004). Nach Allemann (1942) enthalten frische Kleeblätter 0,26 IE Vitamin D pro g Trockensubstanz, im Schatten getrocknete Kleeblätter 0,1 IE pro g/TS und in der Sonne getrocknete Kleeblätter ca. 1 IE oder mehr pro g/TS. Nach Greissinger (2004) enthält Heu mit niedrigem Rohfaseranteil eine größere Vitamin D-ähnliche Wirksamkeit als Heu mit hohem Rohfaseranteil.


Die Mengen an Vitamin D werden in Internationalen Einheiten (IE) oder Mikrogramm angegeben, wobei 1 μg Vitamin D 40 IE entspricht (Senger 2004).

Ein Mangel führt zu Veränderungen am Knochen und zu Abweichungen der Blutwerte bezüglich Phosphor und Calcium. Bei Jungtieren kann sich dies in Knochenerweichung, verminderter Mineralisation des neu gebildeten Knochens und einer gestörten Knochenentwicklung zeigen. Die Folgen sind Stellungsanomalien, Bewegungsunlust und Lahmheiten. Bei adulten Tieren kommt es zur Entmineralisierung der Knochen. Eine Überdosierung führt zur Vergiftung, Entmineralisierung der Knochen und Verkalkungen der Weichgewebe (Senger 2004).

Abbildung 1: Rachitis beim Kaninchen durch Vitamin D - Mangel.


Vitamin E

Vitamin E ist der Oberbegriff für Substanzen mit α-Tokopherol-Aktivität. Von Bedeutung sind vor allem acht natürlich vorkommende Tokopherole und Tokotrienole. Es wird nur von Pflanzen gebildet und ist in besonders hohen Konzentrationen in Pflanzenkeimölen, Ölsaatkuchen, Getreiden und frischem Gras enthalten. Durch Lagerung geht es größtenteils verloren. Ein Teil des Vitamin E kann in der Leber und im Fettgewebe gespeichert werden. In Zellwänden schützt es vor allem ungesättigte Fettsäuren, Proteine und schützt auch Depotfette. Es ist für die Erhaltung der Muskulatur und des Nervensystems sowie für die Funktion des Immunsystems notwendig (Senger 2004).

Die Menge von 1 mg D,L-(all rac)-α-Tokopherylazetat entspricht ungefähr 1 IE (Senger 2004).

Faktoren wie große Mengen mehrfach ungesättigter Fettsäuren und ranziger Fette, sowie bei einem niedrigen Selengehalt oder mangelhaften Fettabsorption können zu einem Mangel führen. Als Folge kann es zu Degenerationen der Herz- und Skelettmuskulatur, zentralnervösen Symptomen, Verfärbungen des Körperfettes (Gelbfettkrankheit) und Störungen bei der Reproduktion kommen. Zu einer Überversorgung kommt es selten. Allerdings können zu große Mengen die Blutgerinnung negativ beeinflussen (Senger 2004).


Vitamin K

Vitamin K gibt es natürlich in zwei Formen. Das vor allem in dunkelgrünen Pflanzen vorkommende Vitamin K1, auch als Phyllochinon, welches gegen Licht und Sauerstoff empfindlich ist sowie das von Bakterien synthetisierte Vitamin K2, die Gruppe der Menachinone. Vitamin K2 wird auch von Darmbakterien produziert. Zusätzlichgibt es das synthetische, wasserlösliche Analog Menadion, welches auch Vitamin K3 genannt wird. Menadion muss erst durch den Körper oder Mikroorganismen zur aktiven Form metabolisiert werden (Senger 2004).

Im vorderen Abschnitt des Dünndarms wird Vitamin K fettabhängig absorbiert. Je länger die Seitenkette am Napthochinonring, desto weniger wird Vitamin K aufgenommen. Im Körper wird es kaum gespeichert. Vitamin K spielt eine entscheidende Rolle bei der Synthese der Blutgerinnungsfaktoren, bestimmten Proteinen und spielt vermutlich eine Rolle für den Knochenstoffwechsel (Senger 2004).

Bei einem Mangel kommt es zur Störung der Blutgerinnung. Zu einem Mangel kann es durch eine zerstörte Darmflora (beispielsweise nach Gabe von Antibiotika oder Sulfonamiden) sowie bei Erkrankungen, welche die bakterielle Synthese oder die fettabhängige Absorption vermindern, kommen. Auch bestimmte Gifte können zu einem Mangel führen. Eine Überdosierung ist bei natürlich vorkommenden Derivaten des Vitamin K ist kaum möglich (Senger 2004).


Vitamin B

Unter Vitamin B wird eine Vitamin-Gruppe verstanden, in der acht Vitamine zusammengefasst werden. Alle sind Vorstufen für Koenzyme. Die Nummerierung ist nicht durchgehend. Sie sind chemisch und pharmakologisch völlig verschiedene Substanzen.

  • Vitamin B1 (Thiamin) ist für die Erhaltung des Nervensystems und eine normale Herzfunktion essenziell und spielt eine Rolle im Gastrointestinaltrakt. Es kommt in vielen Futtermitteln pflanzlicher und tierischer Herkunft vor und wird von vielen Darmbakterien gebildet. Es wird über die Nieren ausgeschieden. Absorbiert wird es im Dünndarm. Zu einem Mangel kann es durch Aufnahme von Thiaminasen (z.B. in Adlerfarn und Sumpfschachtelhalm) kommen, die Vitamin B1 zerstören. Überdosierung wird kaum beschrieben (Senger 2004).
  • Vitamin B2 (Riboflavin) spielt im Stoffwechsel eine wichtige Rolle. In den meisten pflanzlichen und tierischen Geweben liegt B2 gebunden in Form vor. Es wird im aus seinen Verbindungen freigesetzt und im Dünndarm absorbiert. Ein Mangel kommt kaum vor. Überdosierung kann zu einer Schädigung der Photorezeptoren führen und die Überlebensrate der Jungtiere vermindern (Senger 2004).
  • Vitamin B3 (Niacin) spielt eine wichtige Rolle im Stoffwechsel und für die Funktion der Haut und der Verdauungsorgane. Es ist eine Sammelbezeichnung für einige Vitamere, die dieselbe biologische Funktion erfüllen wie das Nikotinamid. Dazu zählen das Nikotinamid und die Nikotinsäure sowie verschiedene Pyridinnukleotide. In Pflanzen kommt vor allem Nikotinsäure vor währen in tierischen Gewebe primär die Koenzyme Nikotinamidadenindinukleotid (NAD) und Nikotinamidadenindinukleotidphosphat (NADP) und nur zum Teil freies Nikotinamid vorhanden sind. Zu einem Mangel kommt es selten, beim Menschen werden Erkrankungen durch zu hohen Maisanteil beschrieben. Ein Mangel geht häufig mit einem zu geringen Tryptophangehalt einher. Ein Überdosierung führt zu Leberverfettung sowie reduzierte Gewichtszunahmen (Senger 2004).
  • Vitamin B5 (Pantothensäure) steuert den Stoffwechsel von Kohlenhydraten, Fetten und Proteinen sowie den Auf- und Abbau der Fette und der Funktion der Haut und Schleimhäute. Es gibt zwei Isomere, die D- und die L-Pantothensäure. Nur die D-Pantothensäure besitzt eine biologische Aktivität, während die L-Pantothensäure in sehr hohen Konzentrationen sogar als Inhibitor wirken kann. Da in vielen kommerziellen Produkten beide Isomere vorliegen, muss beachtet werden, dass die angegebene enthaltene Menge Pantothensäure nicht gleich der biologisch aktiven Menge entspricht. Das Vitamin wird im Dünndarm absorbiert. Ein Mangel führt beispielsweise zu Wachstumsdepressionen, Inappetenz und endet in schweren Fällen tödlich. Eine Überdosierung wird kaum beschrieben, Überschuss wird über die Nieren ausgeschieden (Senger 2004).
  • Vitamin B6 (Pyridoxin) ist für die Erhaltung von Haut, Nervensystem, Herz, für die Hämatopoese und das Immunsystem notwendig. Es kommt vor als substituierte Pyridine, dem Pyridoxol, dem Pyridoxamin und dem Pyridoxal. Die Absorption erfolgt im Dünndarm, in der Leber wird eszur aktiven Form, dem Pyridoxalphosphat, metabolisiert. Ein Mangel kommt kaum vor. Eine Überdosierung führt zu einer Schädigung sensorischer Nervenfasern und zu einer Störung der Spermatogenese (Senger 2004).
  • Vitamin B7 (Biotin) ist für den Stoffwechsel von Bedeutung. Gelegentlich wird es auch als Vitamin H bezeichnet. Ein Mangel kommt kaum vor. Eine Zerstörung der Darmflora kann diesen aber begünstigen. Größere Mengen an rohem Eiklar können zu Defiziten führen. Durch den Mangel kommt es zu Veränderungen an Haut und Haarkleid. Eine Überdosierung wird kaum beschrieben (Senger 2004).
  • Vitamin B9, auch Vitamin B11 (Folsäure) wird auch als Vitamin M bezeichnet. Es spielt eine Rolle bei der Hämatopoese und für das Immunsystem, vermutlich auch für Schleimhaut und Haut. Vitamin B9 besteht aus mehreren Derivaten mit ähnlicher biologischer Aktivität, wovon Folsäure, auch Pteroylglutaminsäure genannt, die bekannteste ist. Es kommt vor allem in Mikroorganismen und grünen Pflanzen vor. Ein Mangel führt zu einer Störung der DNA- und RNASynthese, Folgen sind beispielsweise Haut- und Schleimhautläsionen sowie Wachstumsdepressionen. Eine Überdosierung wird kaum beschrieben (Senger 2004).
  • Vitamin B12 (Kobalamin) ist für die Blutbildung, das Wachstum und Stoffwechselprozesse und die Bildung einiger Aminosäuren notwendig. Es kann ausschließlich von einigen Mikroorganismen synthetisiert werden. Im Magensekret wird bildet es einen Komplex mit einem Faktor und kann so im Dünndarm rezeptorgesteuert aufgenommen werden. Bei Tieren wie Ratten, Katzen und Hunden kann eine rein pflanzliche Vitamin B12-arme Ration zu einem Mangel führen. Auch durch Störungen im Magen-Darm-Trakt kann es zu einem Mangel kommen. Überdosierung wird kaum beschrieben (Senger 2004).


Vitamin C

Vitamin C wird auch als Askorbinsäure bezeichnet. Viele Tiere können es selber synthetisieren, einigen wie Meerschweinchen und Primaten fehlt das Enzym L-Gulonolakton-Oxidase. Daher sind diese nicht in der Lage Vitamin C in der Leber zu bilden. Höhere Pflanzen synthetisieren ebenfalls Vitamin C (Senger 2004).

Das Vitamin dient als wasserlösliches Antioxidans, ist indirekt an enzymatischen Reaktionen beteiligt und wirkt wahrscheinlich bei der Bildung einiger Hormone und bei der Hormonaktivierung mit. Es gilt auch in hohen Konzentrationen als nicht gesundheitsschädlich, eine Überdosierung wird kaum beschrieben. Allerdings kann eine hohe Vitamin C-Supplementierung zu verstärkten Oxalatablagerungen in den Nierentubuli führen. Ein Mangel führt zu Störungen der Wundheilung, Ödemen und Hämorrhagien von Haut und Schleimhäuten sowie in einer Schwächung kollagenhaltiger Strukturen des Knochens, des Knorpels und der Zähne, beim Menschen als Skorbut bekannt (Senger 2004).



Natürliche und synthetische Vitaminen

Angebotene Präparate bestehen normalerweise aus synthetischen Vitaminen. Diese sich nicht gleichwertig zu den Vitaminen die im Futter vorkommen. Vitamine in der natürlichen Nahrung haben eine deutlich höhere Bioverfügbarkeit und werden besser resorbiert. Es kommt zu keinen unkalkulierbaren Interaktionen und keiner Überversorgung. Während synthetische Vitamine chemisch identisch sind, besteht der Vitamin-Komplex in der Natur aus sämtlichen Vorstufen, Zwischenstufen und Abbaustufen. Zudem enthält die natürliche Nahrung pflanzliche Enzyme zur Ausbildung der Vitamine, die die Verträglichkeit verbessern, die Wirkdauer verlängern und wahrscheinlich auch die Resorption erhöhen (Schmidt).

Da generell Nährstoffe ihre biologische Wirkung im Körper immer im Zusammenspiel mit und in Abhängigkeit von anderen Nährstoffen entfalten, ist die Zusammensetzung der aufgenommenen Nahrung entscheidend. Reine synthetische Zusätze entfalten nicht die selbe Wirkung.



Literatur

Allemann (1942): Über die Bedeutung des Vitamin D bei der Ernährung des Rindes unter besonderer Berücksichtigung des Einflusses verschiedener Konservierungsverfahren auf die Vitamin D-Wirkung von Grünfutter

Ebermann R., Elmadfa I.: Lehrbuch Lebensmittelchemie und Ernährung. Springer Verlag, 2008; S.530; ISBN 978-3-211-48649-8

Greissinger C. (2004): Bestimmung der Vitamin D - Aktivität von calcinogenen Pflanzen im Wachteleischalentest, Dissertation, München

Senger, Valerie (2004): Wissenschaftliche Bewertung des Einsatzes von Vitaminen und ausgewählten Antioxidanzien in der Ernährung von Katzen, Hunden und Pferden: Anspruch und Wirklichkeit. Dissertation, LMU München: Tierärztliche Fakultät

Schmidt, E.: Unterschied zwischen natürlichen und synthetischen Vitaminen