Gesunderhaltung


Kapitel

Allgemeines

Bewegung

Haltung

Ernährung

Impfung

Entwurmung

Kastration



Allgemeines

Vorbeugen ist besser als heilen. Verschiedene Faktoren beeinflussen den Gesundheitsstatus eines Tieres und die Fähigkeit des Immunsystems, mit Erkrankungen zurecht zu kommen.

Viele Menschen befassen sich weitaus mehr mit verschiedenen Krankheiten und deren möglichen Behandlung, anstatt mit der Frage, warum manche Tiere wie krank werden. Dabei spielt die Erhaltung eines guten Gesundheitszustandes und die Vorbeugung von Krankheiten eine sehr wichtige Rolle.

Einige Faktoren und Prophylaxemöglichkeiten wird hier vorgestellt.



Bewegung

Abbildung 1: Aufbau eines echten Gelenks.
Der Bewegungsapparat eines Tieres befindet sich in einem ständigen Umbauprozess. Knochen werden bedingt durch mechanische Beanspruchung ständig Auf- und wieder Abgebaut. An stark belasteten Stellen wird Material angelagert, bei fehlender Belastung wird es schnell wieder abgebaut. Knochen dienen nicht nur als Stützskelett, sondern auch als Calciumspeicher, Hormonproduzent (Osteocalcin), Blutbildner und Fettspeicher. Eine gute Durchblutung ist also notwendig für einen gesunden Knochen. Im Alter nimmt die Durchblutung ab, die Versorgung mit Calcium wird schlechter und die Knochendichte damit geringer. Eine gleichmäßige, gesunde Belastung ist notwendig für ein Gleichgewicht der Umbauvorgänge im Knochen. Gemessen wird diese Belastung durch die Knochenzellen selbst. Viele geringe Belastungen regen das Knochenwachstum besser an als seltene hohe Belastung. Wichtig ist eine dynamische Belastung. Vom herumliegen wird Knochen ab- und nicht aufgebaut.


Im Gelenkbereich von echten Gelenken, an welchen Zug- und Druckspannung übertragen werden, dient Gelenkknorpel als zusätzlicher Dämpfer. Durch sein weiches, viskoelastisches Material kann er sich der Bewegung anpassen und bei zunehmender Belastung versteifen. Im Gegensatz zu Knochen finden sich im Gelenkknorpel keine Blutgefäße. Er wird von umliegendem Gewebe durch Diffusion ernährt. Bei Belastung wird der Knorpel wie ein Schwamm ausgedrückt und saugt bei Entlastung wieder Flüssigkeit auf. Dadurch ist eine regelmäßige Belastung essentiell für die Gesunderhaltung des schlecht regenerierenden Knorpels.

Abbildung 1: Belastung des Oberarmkopfes (Humerus) beim Hund im Schritt und im Trab (nach Fischer & Lilje 2012). Rot zeitweise belastete Flächen, lila immer belastete Fläche.


Auch die Muskulatur passt sich dem Maß der Bewegung an. Zusätzlich ist sie ein wichtiges Stoffwechselorgan. Bei Bewegung wird Zucker abgebaut und mit diesem Abbau wird der Muskel empfänglich für Insulin. Fehlt Bewegung wird kein Zucker abgebaut, sondern es werden Fettreserven angelegt. Es kann zu Übergewicht und Fehlfunktionen wie Diabetes kommen, wenn die Muskelbewegung als Motor für den Zuckerstoffwechsel fehlt. Zusätzlich werden Interleukine bei Bewegung freigesetzt, die nicht nur die Fettregulation beeinflussen, sondern auch eine entzündungshemmende Wirkung haben, Auch der Calciumspiegel wird durch ein muskeleigenes Enzym reguliert. Auch viele andere Botenstoffe werden freigesetzt und beeinflussen das Wohlbefinden des Tieres bei Bewegung positiv (Fischer & Lilje 2012).

Regelmäßige tierartgerechte Bewegung ist essentiell für die Gesundheit und das Wohlbefinden eines Tieres. Kurze Auslaufzeiten und ansonsten enge Gehege sind daher kritisch zu sehen. Neben der Möglichkeit der Bewegung bedarf es auch immer der Motivation für das Tier diese Möglichkeit anzunehmen. In freier Natur sind hierfür Verhaltensweisen wie Futtersuche und soziale Interaktionen von Bedeutung. In Gefangenschaft sind viele dieser Verhaltensweisen unter anderem durch die Fütterung oder auch durch eine Vermeidung der Fortpflanzung und fehlende Konkurrenten start eingeschränkt. Der Halter hat für entsprechende Alternativmotivationen zu sorgen.


Foto ©Alexandra Stoffers - flickr.com Foto ©Alexandra Stoffers - flickr.com



Haltung

Die Haltung spielt eine wichtige Rolle bezüglich des gesundheitlichen Zustandes und des Wohlbefindens. Ungeeigente bzw. belastende Haltungsbedingungen sind krankheitsfördernd (Hessing et al 1994; Ferrante et al 1998).

Ein wichtiger Faktor ist Stress. Stress kann sich sowohl steigernd auf die immunologische Funktionen auswirken, diese aber auch hemmen. Steigernd auf das Immunsystem wirkt sich positiver Stress (Eustress) aus, während negativer Stress (Disstress) das Immunsystem negativ beeinflusst (Tuchscherer und Manteuffel 2000). Stress wird erst dann negativ interpretiert, wenn er häufig auftritt und kein körperlicher Ausgleich erfolgt.

Werden Tiere ständig gestresst und können diesen nicht abbauen, vermindert dass ihr Wohlbefinden und ihre Immunabwehr. Vor allem latente Infektionen können ausbrechen, wenn die Stressbelastung ansteigt (Glaser et al 1985).

Mögliche Ursachen für den Stress können sein:

  • zu beengter Raum. Können sich die Tiere nicht ausreichend bewegen, können sie ihren Stress nicht ausreichend abbauen
  • Falsche Konstellationen, zu wenig Ausweichmöglichkeiten, zu viele Tiere auf zu engem Raum etc. kann zu einem erheblichen Stresspotential führen
  • Krankheit, Schmerzen
  • Mangel an Strukturierung im Gehege, Mangel an Rückzugsmöglichkeiten

Allerdings sollte nicht nur Disstress vermieden werden, sondern auch Eustress gefördert werden (Tuchscherer und Manteuffel 2000).


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Abbildung 1: Konflikte innerhalb der Gruppe bedeuten Stress. Eine tiergerechte Haltung ermöglicht es Tieren wie Kaninchen, diesen Stress wieder abzubauen.


Neben dem Stress spielt auch der Infektionsdruck eine wichtige Rolle. Je mehr Tiere gehalten werden, desto höher ist der Infektionsdruck für das einzelne Tier.

Ein Mangel an Hygiene kann ebenfalls das Krankheitsrisiko erheblich erhöhen.



Ernährung

Die Ernährung ist ein sehr wichtiger Faktor bezüglich in Hinsicht auf die Gesundheit. Eine richtige Ernährung sorgt dafür, dass die Verdauungs- und Ausscheidungsorgane richtig genutzt und belastet werden, versorgt das Tier mit lebenswichtigen Nährstoffen und gesundheitsfördernden Wirkstoffen.

Die Versorgung mit ausreichend Nährstoffen ist ein wichtiger Faktor, der die Gesundheit der Tiere beeinflusst. So sind verschiedene Vitamine daran beteiligt, die Funktion von Haut und Schleimhaut aufrecht zu erhalten, das Immunsystem zu stimulieren und die Abwehrzellen zu stärken. Verschiedene Spurenelemente spielen eine wichtige Rolle bei der Aktivität der Fresszellen, der Wundheilung und der Stimulation der Immunabwehr. Bei Proteinmangel bilden sich die Thymusdrüse, die Milz und die Lymphknoten zurück, welche eine für das Immunsystem wichtige Rolle spielen. Es kommt dadurch zu vielfältigen Störungen der Immunfunktion (Daly 1990). Mangel an Energie führt zu Verlust an Körpermasse und kann Immunschwäche und damit eine erhöhte Infektionsanfälligkeit hervorrufen (Zentek und Kampuhes 1999).

Neben den lebensnotwenigen Nährstoffen spielen auch verschiedene Wirkstoffe wie sekundäre Pflanzenstoffe eine entscheidende Rolle. Bei sekundären Pflanzenstoffen handelt es sich um Farb-, Abwehr- und Schutzstoffe sowie Wachstumsregulatoren. Es gibt zahlreiche verschiedene Pflanzenstoffe und genauso unterschiedlich ist auch ihre Wirkung auf den Organismus. Beispielsweise wirken Polyphenole, vor allem die Flavonoide antikanzerogen (und antigenotoxisch), antioxidativ, immunmodulierend, entzündungshemmend, antithrombotisch, blutdrucksenkend, blutzuckersenkend und antimikrobiell (Schek 2002).

Neben dem Gehalt an Nähr- und Wirkstoffen spielt auch die Zusammensetzung, Vielfalt und Struktur eine wichtige Rolle. So stimulieren beispielsweise bei Kaninchen Faserstoffe die Darmschleimhaut und erhöhen so deren Widerstandskraft gegenüber Bakterien (Cheeke und Patton 1980).


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Impfung

Bei einigen Tieren besteht die Möglichkeit gegen verschiedene Krankheiten impfen zu lassen. Diese Impfungen können dem Organismus bei Erregerkontakt helfen die Erreger effektiver und schneller zu bekämpfen.



Entwurmung

Bei vielen Tierarten wird eine regelmäßige Entwurmung verabreicht. Es handelt sich hierbei nicht um eine Prophylaxe, denn es beugt keine Würmer vor. Bei einer Entwurmung können maximal bereits vorhandene Würmer abgetötet werden. Allerdings kann es durch falsche Entwurmung zu Resistenzen kommen. Überleben Würmer eine Behandlung mehr oder weniger unbeschadet und behält seine Vermehrungsfähigkeit bei, kann er seine Resistenzeigenschaft auf die Nachkommen vererben. Durch regelmäßige, unsachgemäße Entwurmung steigt der Selektionsdruck und fördert die Entstehung von Wurmmittelresistenzen. Inzwischen liegen bei einigen Tierarten wie dem Schaf zahlreiche Resistenzen vor.

Die Ursachen für diese Resistenzen sehen Fachleute in einem ganzen Bündel von Fehlern, die regelmäßig bei der Entwurmung von Schafen gemacht werden (Kaulfuß 2010):

  • Entwurmung ohne vorherige Diagnose
  • zu hohe Entwurmungsfrequenzen
  • Unterdosierung des Wurmmittels
  • keine ständiger Wechsel (Rotation) der Wirkstoffgruppen
  • fehlende Kontrolle des Entwurmungserfolges
  • kein „Dose and Move System“, d.h. Weidewechsel unmittelbar nach einer Entwurmung. Damit besteht die Gefahr, das eine neue, „saubere“ Weide ausschließlich mit den Eiern von resistenten Würmern kontaminiert wird.
  • Überbelegung der Weideflächen. Dieses Problem tritt oft in Hobbyhaltungen auf.



Kastration

Hauptartikel: Kastration

Von einigen Halter wird die Kastration Prophylaxe gegen bestimmte Krankheiten eingesetzt. Diese Vorgehensweise ist umstritten. Kastrationen könnten das Risiko für andere Erkrankungen wie Osteoporose oder Tumore an anderen Stellen erheblich erhöhen. 




Literatur

Cheeke, P.R. and Patton, N.M. (1980): Carbohydrate-overload of the hindgut - a probable cause of enteritis; J. Appl. Rabbit Res. 3, 20 - 23

Daly JM, Reynolds J, Sigal RK, Shou J, Lieberman MD: Effect of dietary protein and amino acids on immune function. Crit Care Med 18 (1990) 86-93

Ferrante V., Canali E., Matiello S., Verga M., Sacerdote P., Manfredi B., Panerai A.E. (1998): Preliminary study on the effect of size of individual stall on the behavioural and immune reactions of dairy calves. J. Anim. Feed Sei., 7 , 29-36

Fischer, M.S., Lilje, K.E. (2012): Hunde in Bewegung. VDH Service GmbH und Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart

Garcia, J., R. Carabano, L. Pérez-Alba u. C. De Blas (1996): Effect of fibre source on neutral detergent fibre digestion and caecal traits in rabbits. 6th World Rabbit Congress, Toulouse Vol. 1, 175 - 179

Garcia, J., R. Carabano, L. Pérez-Alba u. C. De Blas (2000): Effect of fiber source on cecal fermentation and nitrogen recycled through cecotrophy in rabbits. J. Anim. Sci. 78, 638 – 646

De Blas, C., J. Garcia u. R. Carabano (1999): Role of fibre in rabbit diets. A review. Ann. Zootechn. 48, 3 – 13

Hans Konrad Biesalski, Josef Köhrle, Klaus Schürmann: Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe. Thieme, 2002, ISBN 3-13-129371-3

Hessing, M.J.C; Scheepens, C.J.M.; Schouten, W.G.P.; Tielen, M.J.M.; Wiepkema, P.R. 1994): Social rank and disease susceptibility in pigs. Vet. Immunol. Immunopathol., Amsterdam 43, 373-387

Kaulfuß K.H. (2010): So können Sie Wurmmittelresistenzen verhindern, Schafzucht, 9/2010, S. 10 – 12

Tuchscherer M., Manteuffel G. (2000): Die Wirkung von psychischem Streß auf das Immunsystem. Ein weiterer Grund für tiergerechte Haltung. Aus dem Forschungsinslilut ftlr die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere (FBN), Dummerstorf

Schek, A. (2002): Sekundäre Pflanzenstoffe, In: Leistungssport 5/02

Scholz H.: Starkes Immunsystem: Mikronährstoffe für Abwehrzellen

Zentek, J. und Kamphues J. (1999): Erkrankungen bei kleinen Heimtieren durch eine Fehlversorgung mit Energie oder Protein, Fortbildungsveranstaltung „Praxisrelevante Fragen zur Ernährung kleiner Heimtiere, Tierärztliche Hochschule Hannover 1999, 105 – 109