Ernährung


Kapitel

Grundsätzliche Informationen

Nährstoffbedarf

Folgen von Über- und Unterversorgung

Futtermittel und -konzepte



Grundsätzliche Informationen

Meerschweinchen sind Pflanzenfresser. Der Blinddarm des Meerschweinchens hat eine ähnliche Fermenationskapazität wie Colon und Rektum des Pferdes (ILAR 1995).

Wilde Meerschweinchen ernähren sich von Gräser und Kräutern. Dabei nehmen die Tiere ein höheres Risiko durch Prädatoren in Kauf um auf Flächen mit niedrigerer Vegetation zu fressen (Artikel: Wildlife - Ernährung). Mit fortschreitendem Alter nimmt der Rohfasergehalt der Pflanzen zu und die Verdaulichkeit und der Proteingehalt der Pflanzen ab (Möllmann 2007). Die Tiere finden auf den Flächen mit niedrigerer Vegetation daher nährstoffreichere Pflanzen.

In traditionellen Haltungen in Südamerika werden Meerschweinchen mit frischem und getrocknetem Grünfutter, Alfalfa und Küchenabfällen gefüttert (Artikel: Meerschweinchen - Leben von Hausmeerschweinchen im Ursprungland).

Unter semi-natürlichen Bedingungen fressen Meerschweinchen bevorzugt die Blattspitzen. Erst Ende des Jahres beginnen sie die Gräser nahe an der Wurzel abzufressen. Im Winter, wenn das Gras abgefressen war, wurde den beobachteten Meerschweinchen Karotten und Grüngemüse zugefüttert. Sobald Schnee lag ernährten sich die Tiere von Karotten und Hafer (King 1956).


Bei freier Verfügbarkeit von Futter werden ca. 100 kleine Mahlzeiten pro Tag eingenommen (Zentek 2007).


Meerschweinchen zeigen Nahrungswahlverhalten. Sie entwickeln Aversionen gegen Futtermittel, die zu einer Verschlechterung des körperlichen Zustandes führen. Selbst wenn diese erst nach einer Stunde eintritt. Sie reagieren sowohl auf ein veränderten Geschmack als auch ein verändertes optisches Aussehen ihres Futter oder ihrer Futterumgebung (Braveman 1974).

Artikel: Ernährung - Nahrungswahl


Kaninchen und Meerschweinchen werden häufig gemeinsam gehalten und in der Heimtierhaltung ähnlich ernährt. Dennoch gibt es Unterschiede zwischen den beiden Tierarten.

Vergleicht man Meerschweinchen mit Kaninchen haben Meerschweinchen eine geringere Gesamtmasse des Dickdarms. Bei Kaninchen sind es 57 %, bei Meerschweinchen 44 %. Der Rücktransport in den Blinddarm erfolgt beim Kaninchen über die Fusus Coli, bei Meerschweinchen über eine Schleimhautfurche (Hansen 2012). Die Kauaktivität von Meerschweinchen ist höher als die des Kaninchens (Zentek 2007). Meerschweinchen können organische Substanz bzw. Rohfaser besser verdauen als Kaninchen. Die scheinbare Verdaulichkeit (Differenz der aufgenommenen und wieder ausgeschiedenen Nährstoffe) der organischen Substanz beträgt beim Kaninchen abhängig von der Futterzusammennsetzung 39,1 - 64,8 %, die der Rohfaser 9,69 - 35,3 %. Beim Meerrschweinchen variiert die scheinbare Verdaulichkeit der organischen Substanz zwischen 47,6 und 69,7 %, die der Rohfaser zwischen 37,9 und 55,1 %. Vermutlich lässt sich dies auf die unterschiedlichen Separationsmechanismen des Dickdarms und die damit verbundene Verweilzeit der Nahrung im Magen-Darm-Trakt zurückführen (Rosengarten 2004).



Nährstoffbedarf

In der Literatur finden sich Werte zum Nährstoffbedarf von Meerschweinchen. Diese Werte können als Orientierung dienen, dürfen aber nicht als Richtwerte angesehen werden, da der Nährstoffbedarf jedes Tieres individuell ist (Artikel: Ernährung - Nährstoffbedarf).

Zusätzlich muss insbesondere bei Naturprodukten die natürliche Schwankung des Nährstoffgehalts berücksichtigt werden (Artikel: Futtermittelkunde - Futtermittelanalyse).

Angaben in der Literatur sind daher Durchschnittswerte, die keine Allgemeingültigkeit haben und in manchen Fällen nicht zutreffen (ILAR 1995).

Essentielle Aminosäuren sind für Meerschweinchen nach Rosengarten (2004):

  • Histidin
  • Arginin
  • Glycin
  • Isoleucin
  • Leucin
  • Lysin
  • Threonin
  • Tryptophan
  • Valin
  • Phenylalanin
  • Methionin


Tabelle 1: Nährstoffbedarf von Meerschweinchen anhand der Literatur; soweit nicht anders angegeben in g pro kg Futtermittel [Wassergehalt 10 %].

Nährstoff Einheit Bedarf
Haltung 1 Wachstum 2
Essentielle Fettsäuren
[g/kg]
1,33 - 4 -
Rohfaser
[g/kg]
150 100
Protein
[g/kg]
180 180
Aminosäuren Arginin
[g/kg]
12 12
Histidin
[g/kg]
3,6 3,6
Isoleucin
[g/kg]
6 6
Leucin
[g/kg]
10,8 10,8
Lysin
[g/kg]
8,4 8,4
Methionin
[g/kg]
6 6
Phenylalanin
[g/kg]
10,8 10,8
Threonin
[g/kg]
6 6
Tryptophan
[g/kg]
1,8 1,8
Valin
[g/kg]
8,4 8,4
Mineralstoffe Calcium
[g/kg]
8 8 - 10
Chlorid
[g/kg]
0,5 0,5
Magnesium
[g/kg]
1 1
Phosphor
[g/kg]
4 4 - 7
Kalium
[g/kg]
5 5 - 14
Natrium
[g/kg]
0,5 0,5
Kupfer
[mg/kg]
6 6
Chrom
[mg/kg]
- 0,6
Eisen
[mg/kg]
50 50
Mangan
[mg/kg]
40 40
Zink
[mg/kg]
20 20
Jod
[µg/kg]
150 1000
Molybdän
[µg/kg]
150 -
Selen
[µg/kg]
150 100
Vitamine A (Retinol)
[mg/kg]
6,6 0,75
A (ß -Carotin)
[mg/kg]
28 -
D
[mg/kg]
0,025 -
E
[mg/kg]
26,7 30
K
[mg/kg]
5 4
C
[mg/kg]
- 100
Biotin
[mg/kg]
0,2 0,3
Cholin
[mg/kg]
- 1000
Folsäure
[mg/kg]
3 - 6 4
Niacin
[mg/kg]
10 10
Pantothensäure
[mg/kg]
20 -
Riboflavin
[mg/kg]
3 3
Thiamin
[mg/kg]
2 2
B6
[mg/kg]
- 3
B12
[µg/kg]
- 10

1 ILAR (1995),2 Kamphues et al. (2004), 3 Grant (1999); "-" = Keine Angaben


Entscheidend ist nicht nur die Menge an Protein, sondern vor allem die Qualität. Ein Aminosäurenmangel kann dabei durch eine verstärkte bakterielle Proteinsynthese zeitweise gemindert werden. Aber vor allem Jungtiere sind auf Zufuhr von essentiellen Aminosäuren über die Nahrung angewiesen (Rosengarten 2004).

Ein Proteinmangel kann zu Symptomen wie vermindertes Wachstum, Haarverlust, Fettleber und Aktivitätsverlust führen. Außerdem kann es zu Immunschwächen kommen (ILAR 1995). Nach Rosengarten (2004) kommt es bei einer Diät mit 5,2 % Protein in der Trockensubstanz zu deutlichen Mangelsymptomen wie Dermatitis und Alopezie.


Durch zu rohfaserreichen Rationen (> 30 % Rohfaser) kann es zu Energie- und Proteinmangel kommen (Zentek 2007).


Zum Fettbedarf fehlen ermittelte Werte, empfohlen werden 3 - 5 % (Rosengarten 2004). Nach Versuchen von Reid et al. (1964) muss Linolsäure 0,54 - 1,31 % der Gesamtkalorienmenge ausmachen um Dermatitis vorzubeugen. Ein Mangel an Omega-3-Fettsäuren führt bei Meerschweinchen zu Geschwüren an Nacken und Ohren, Haarverlust am Bauch, verzögertem Wachstum, Dermatitis und Todesfällen. Außerdem werden Veränderungen an der Leber, den Hoden, der Gallenblase, der Milz, der Niere, Nebenniere und dem Herz beschrieben (ILAR 1995).


Die Mineralien Calcium, Phosphor, Kalium und Magnesium scheinen in direktem Zusammenhang zueinander zu stehen. Wird die Konzentration einer dieser Mineralien im Futter verändert dann ändert sich die Aufnahme der anderen Mineralien (ILAR 1995). Empfohlen wird ein Verhältnis Calcium : Phosphor 1,5 - 2 : 1. Ein Überschuss an Phosphor (Ca : P 0,8 : 0,9) führt nach Wagner (1976) zu einer Herauslösung von Mineralien aus dem Skelett, wobei der Effekt durch eine ausreichende Zufuhr von Kalium und Magnesium aufgehoben werden kann.

Ein Magnesiummangel führt zu vermindertem Wachstum, Haarverlust, Aktivitätsverlust, Anämie und neurologischen Ausfällen. Ein Mangel an Phosphor oder Calcium im Zusammenhang mit einem Mangel an Vitamin D führt bei Jungtieren zu Rachitis und langen Knochen. Es kann zu Zahnveränderungen kommen. Zinkmangel kann zu Symptomen wie Hautveränderungen und Appetitlosigkeit führen (ILAR 1995)


Ein Mangel an Vitamin D führt in Zusammenhang mit einem Mangel an Calcium zu Rachitis, langen Knochen und Zahnveränderungen. Überdosierung von Vitamin D verursacht Hyperkalzämie und Verkalkung von Niere, Herz, Gefäßen und Leber (ILAR 1995) und begünstigt Harnsteine (Zentek 2007). Ein Mangel an Vitamin A führt zu Veränderungen der Schneidezähne, ein Überschuss kann zu Veränderungen am Knorpel der Epiphysenfugen, Gewichtsverlust und Abnormalitäten des Nachwuchses führen. Ein Mangel an Vitamin E kann Muskeldystrophie bedingen. Fehlt den Meerschweinchen Vitamin C können Beispielswiese Gewichtsverlust, Anämie und Blutungen die Folge sein. Es kommt zu Muskelschäden, Anfälligkeiten für Infekte, verschiedene andere Nährstoffe werden schlechter aufgenommen, Wunden heilen schlechter und die Fellqualität nimmt ab (ILAR 1995).



Energiebedarf

Der Energiebedarf des Meerschweinchens kann mit bei 500 kJ DE/kg KM0,75/Tag angegeben werden, wobei es Abweichungen in der Literatur von 350 kJ DE/kg KM0,75/Tag bis 570 kJ DE/kg KM0,75/Tag gibt (Rosengarten 2004).

Energiemangel führt zu Körpermassenverlust, Fellverlust und Schwächung des Immunsystems (Rosengarten 2004)



Wasserbedarf und -aufnahme

Der Wasserbedarf beträgt 50 - 100 ml pro Tag (Hamel 2002).

Die Wasseraufnahme ist abhängig von der Flüssigkeitsaufnahme durch die Nahrung. Durchschnittlich werden etwa 3 ml pro g verzehrter Trockensubstanz aufgenommen. Wird Saftfutter gefressen sind die Werte höher (Zentek 2007).

Bei Gesundheitsstörungen können bis zu 300 ml pro Tag nötig sein, daher sollte immer ausreichend frisches Trinkwasser zur Verfügung stehen (Hamel 2002).



Folgen von Über- oder Unterversorgung

Eine Über- oder Unterversorgung mit bestimmten Nährstoffen kann für den Organismus erhebliche Folgen mit sich bringen. Im Kapitel Futtermittelkunde - Nährstoffe wird die Funktion einzelner Nährstoffe im Körper detaillierter beschrieben. Fehlen Nährstoffe im Futter und sind keine Reserven vorhanden kann es zum Teilverlust bestimmter Funktionen wie beispielsweise dem Immunsystem oder im Extremfall zum Komplettverlust und Tod des Tieres kommen. Eine Überdosierung kann zu Vergiftungserscheinungen oder zur Störung von Funktionen führen.

Schlecht verdauliches Futter oder zu geringe Futtermengen können zu erheblichen Gesundheitsstörungen führen (Zentek 2007).



Futtermittel und -konzepte

Es gibt verschiedene Futterkonzepte, nach denen Meerschweinchen ernährt werden.

  • in der Laborhaltung werden Pellets, teilweise angefeuchtet mit Wasser sowie Gelfutter erfolgreich eingesetzt (ILAR 1995)
  • der TVT empfiehlt eine Ernährung mit Heu und eine Ergänzung mit Grünfutter (Kräuter, Gras, auch Gemüse wie z.B. Möhren). Obst nur in kleinen Mengen und maximal ein Esslöffel getreidefreies Fertigfutter pro Tag sowie Äste zur Beschäftigung
  • die Meerschweinchenhilfe e.V. (Stand 07.05.2013) empfiehlt Heu als Grundfutter und 100 g Frischfutter pro Tier
  • Diebrain.de (Stand 07.05.2013) empfiehlt nach Möglichkeit ein nach langsamen angefüttertes ad libitum Angebot von Grünfutter zu Heu und ein Minimalangebot von 100 g Frischfutter pro Tier


Grob unterteilen lassen sich die in der Heimtierhaltung angewandten Ernährungskonzepte in:

  • ad libitum Heu, ratinoniert ergänzt mit anderen Futtermitteln
  • ad libitum Heu, ad libitum Grünfutter, rationiert anderes Frischfutter
  • ad libitum Heu, ad libitum Frischfutter


Nach Schröder (2000) nehmen Meerschweinchen bei einer Fütterung mit Pelletfutter 7,2 g Trockensubstanz (TS) pro 100 g Körpermasse (KM) pro Tag auf. Bei einer Fütterung mit Heu fressen Meerschweinchen 3,2 g TS pro 100 g KM. Das sind bei einem Gehalt an 14 % Feuchtigkeit für Trockenfutter wie Pellets und Heu ca. 83 g pro kg KM für ein Pelletfutter und 37 g Heu pro kg KM.

Nach Zentek (2007) nehmen junge Meerschweinchen mit 100 g KM etwa 80 g TS/kg KM pro Tag auf. Meerschweinchen mit 200 - 700 g verzehren 60 g TS/kg KM, adulte Tiere 40 - 60 g TS/kg KM. Laut Kamphues et al. (2004) sind es bei adulten Tieren ebenfalls 40 - 60 g TS/kg KM und Meerschweinchen im Wachstum 50 - 75 g TS/kg KM. Das entspricht etwa 50 - 70 g Heu pro kg KM bei erwachsenen Tieren und 60 - 90 Heu pro kg KM bei Tieren im Wachstum.

Nach Hamel (2002) nehmen Meerschweinchen täglich etwa 4 % ihres Körpergewichtes an Futter zu sich. Das wären 32 g Heu pro kg Meerschweinchen. Die Futteraufnahme ist abhängig von Energie-, Wasser- und Rohfasergehalt sowie individuellem Bedarf und Umweltbedinungen.

Abbildung 1: Futteraufnahme eines ca. 800 g schweren Meerschweinchens. Heu wird mit 29,6 g pro Tag insgesamt bezogen auf das Gewicht weniger aufgenommen als Pelletfutter mit 66,4 g pro Tag.

Für die Aufnahme von Futter von benötigen die Meerschweinchen nach Schröder (2000):

  • Pellets (fein verwahlen): 4,59 min/g TS
  • Pelltes (gröbere Struktur, allerdings geringere Akzeptanz): 7,53 min/g TS
  • Heu: 8,07 min/g TS


Saftfutter und hochwertiges, wenig verholztes Heu wird von Meerschweinchen bevorzugt gefressen. Auch Mischfutter auf Getreidebasis wird gerne gefressen (Zentek 2007).

Saftfutter wird aufgrund der höheren Schmackhaftigkeit und des Wassergehaltes in größeren Mengen aufgenommen als Konzentratfutter wie Beispielweise Pellets oder Heu. Um 40 - 60 g TS pro kg Körpermasse pro Tag aufzunehmen benötigt ein Meerschweinchen ca. 50 - 70 g Heu pro kg KM und ca. 200 - 300 g Gras pro kg KM.

Abbildung 2: Futtermenge bei einem 1 kg schweren Meerschweinchen. Durch den höheren Volumengehalt wird die Passagezeit im Vergleich zu Heu beschleunigt.

Nach Panalis et al. (1985) wird der Struktureffekt bei der Verabreichung von Rauhfutter bei Grünfütterung noch durch die kürzere Passagezeit infolge des, durch den hohen Wassergehalt bedingten, größeren Futtervolumens verstärkt. Im Vergleich mit Grünfutter hat Heu daher eine längere Verweilzeit im Magen-Darm-Trakt.


Urheber: Mad_m4tty; Creative Commons-Lizenz; Orginaldatei (Mai 2013) Urheber: Mad_m4tty; Creative Commons-Lizenz; Orginaldatei (Mai 2013)

Heu ist ein Trockenfutter das im Vergleich zu seiner ursprünglichen veränderte Nährstoffgehalten aufweist (Artikel: Futtermittelkunde - Raufutter: Heu). Selten ist der genaue Gehalt an Nährstoffen bekannt, auch die Verdaulichkeit kann schwanken und ist im Vergleich zu Grünfutter verändert. Vor allem da häufig Gemüse verwendet wird, welches im Vergleich zu strukturiertem Grünfutter vergleichsweise wenige der notwendigen Nährstoffe enthält. Tabelle 2 zeigt an Beispielen den Gehalt bestimmter Nährstoffe von Heu, Gemüse und Kräutern im Vergleich.


Tabelle 2: Nährstoffgehalt verschiedener Futtermittel im Vergleich. Zu beachten ist die Verdaulichkeit, die eine weitere wesentliche Rolle spielt und hier nicht aufgeführt wird. Zudem die unterschiedliche Aufnahme von unterschiedlichen Futtermitteln.

Nährstoffe [g/kg TS] Heu 1 Karotte 3 Löwenzahn 3 Petersilie 3 Wiese 2 Bedarf
Proteingehalt
11,63
8,91
15,29
23,32
20,00
20,00
Arginin
0,35
0,36
0,61
0,93
1,72
1,33
Lysin
0,35
0,35
0,81
1,45
1,00
0,93
Methionin
0,23
0,09
0,20
0,14
0,44
0,67
Threonin
0,35
0,28
0,58
0,96
0,83
0,67
Valin
0,35
0,37
0,61
1,56
1,28
0,93
Histidin
0,12
0,14
0,20
0,51
0,39
0,40
Phenylalanin
0,35
0,25
0,61
1,26
0,83
1,20

1 = Heu mit mittelerem Proteingehalt; Durchschnittswerte; Quelle; 2 = Jeroch et al. (1993); 3 = Bundeslebensmittelschlüsse


Abbildung 3: Vergleich des Aminosäurengehalts pro kg Trockensubstanz.

Nach Zentek (2007) sind Meerschweinchen keine typischen Rauhfutterverwerter. Stark verholztes Heu (Rohfaser >30 %) kann zu massivem Energie- und Proteinmangel führen. Nach Hamel (2002) ist eine reine Heufütterung nicht bedarfsdeckend.


Abbildung 4: Grünfutter als optimales Meerschweinchenfutter
Urheber: Daniel Hall; Creative Commons-Lizenz; Orginaldatei (Mai 2013)



Besondere Futtermittel

Getreide/Kraftfutter

Getreide ist in der Ernährung von Heimtieren in den letzten Jahren in Verruf gekommen und teilweise wird von einer Verfütterung komplett abgeraten. Allerdings ist Getreide ist ein Lieferant wichtiger Nährstoffe und kann in manchen Fällen eine sinnvolle Ergänzung darstellen.

Nach Tau (1992) sind bei einer Zufütterung von Getreideschrot zu Grünfutterkonsveren selbst bei Anteilen von 60 % bei einer aquädaten Fütterung keine Nachteile zu erwarten.

Dennoch ist eine Fütterung in diesen Mengen kritisch zu bewerten und nicht sinnvoll. Getreide liefert nicht nur viel Energie und kann so zu Übergewicht führen, es hat auch ein ungünstiges Verhältnis von Calcium zu Phosphor bzw. generell einen vergleichsweise hohen Phosphoranteil. Auf Dauer kann sich eine Verfütterung größerer Getreidemengen daher durchaus negativ auf die Gesundheit auswirken. Die Menge sollte entsprechend des Bedarfs und der Verträglichkeit der einzlnen Tiere angepasst werden. Kraftfutter sollte ausschließlich als Ergänzung dienen.



Kohl

Blähende Futtermittel wie Kohl müssen langsam angefüttert werden. Nach entsprechender Adaptation ist eine Fütterung in der Regel unproblematisch und führt nicht zu vermehrter Gasbildung (Zentek 2007).




Literatur

Braveman N.S. (1974): Poison-Based Avoidance Learning with Flavored or Colored Water in Guinea Pigs; Learing and Motivation 5, S. 182 - 194

Hansen S. (2012) - Untersuchungen zum Ca-Stoffwechsel sowie zur Zahnlängenentwicklung und -zusammensetzung von Chinchillas bei Variation der Ca-Zufuhr und des Angebots von Nagematerial

Institute for Laboratory Animal Research (ILAR) (1995): Nutrient Requirements of Laboratory. Animals. Fourth Revised Edition. Subcommittee on Laboratory Animal Nutrition. Committee on Animal Nutrition

Hamel I. (2002): Das Meerschweinchen als Patient

Kamphues, J.; Coenen, M.; Kienzle, E. (2004): Supplemente zu Vorlesungen und Übungen in der Tierernährung. Alfeld-Hannover: M. & H. Schaper. 10. Aufl. ISBN 3-7944-0205-7

King J.A. (1956): Social Relations of the Domestic Guinea Pig Living under Semi-Natural Conditions, Ecology Vol. 37, No. 2, pp. 221-228

Lackenbauer, W.; Kaninchenfütterung: tiergerecht - naturnah - wirtschaftlich; 3., überarb. Aufl. Reutlingen; Verl.-Haus Reutlingen Oertl und Spörer; 2001; ISBN 3-88627-704-6

Möllmann F. (2007): Analysen und Abschätzung des Mineralstoffgehaltes in Heuproben aus oberbayerischen Pferdehaltungsbetrieben. Dissertation, Ludwig-Maximilians-Universität München

Panalis J., Schlolaut W., Lange K., Schley P. (1985): Trichobezoare beim Angorakaninchen - Untersuchungen zur Diagnose und Prophylaxe, Kleintierpraxis 30, 209-213

Reid M. E. (1964): Nutritional studies with the guinea pig

Rosengarten, A. (2004): Untersuchungen zur kurzfristigen Ernährung von Kaninchen und Meerschweinchen über eine orogastrale Sonde bei Variation der Zusammensetzung (Komponenten, Nährstoffgehalt und Energie- dichte) des applizierten Futters; Tierärztl. Hochsch. Hannover; Dissertation

Schröder A. (2000): Vergleichende Untersuchungen zur Futteraufnahme von Zwergkaninchen, Meerschweinchen und Chinchilla bei Angebot unterschiedlich konfektionierter Einzel- und Mischfuttermitte

Tau A. (1992): Verdaulichkeit verschiedener Futtermittel beim Meerschweinchen in Abhängigkeit vom Rohfasergehalt, Tierärztliche Hochschule Hannover

Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. - Merkblatt Meerschweinchen (Stand 07.05.2013)

Zentek J. (2007): Workshop VI - Belange des Tieres I auf dem Kongress Mensch - Tier